Interview mit Frau D. Fahrni, dipl. Ernährungsberaterin, Ausbildungszentrum Inselspital, Kantonale Ernährungsberatung, Bern
F: Was gilt es grundsätzlich bei der Ernährung einer Diabetikerin, eines Diabetikers zu beachten?
A: Basis für eine richtige Ernährung bei Diabetikern ist die gesunde Ernährung, d.h. es kann nach dem Prinzip der Ernährungspyramide eingekauft und gekocht werden.

F: Wieviel Fett darf ein Diabetiker pro Tag zu sich nehmen?
A: Vorab ist zu erwähnen, dass die Fette unterschieden werden müssen, d.h. in sichtbare und versteckte, tierische und pflanzliche Fette.
| Sichtbare Fette | Versteckte Fette |
| z.B. Öl, Butter, Margarine | z.B. Wurstwaren, Snacks, Schokolade, Milch, Käse, Saucen |
| Tierische Fette (enthalten gesättigte Fette)max. 30% der täglichen Fettzufuhr | Pflanzliche Fette (enthalten einfach und mehrfach ungesättigte Fette)ca. 70% der täglichen Fettzufuhr |
| z.B. Wurst, Käse, fettes Fleisch | z.B. Olivenöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Distelöl, Oliven, Nüsse, Samen, Avocado |
Bemerkung: |
Fisch enthält im Gegensatz zu Fleisch v.a. mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Kokosnussöl ist ein pflanzliches Fett, enthält jedoch hauptsächlich gesättigte Fette! |
Empfohlen sind:
| Brotaufstrich | max. 10 g / Tag | Butter oder Margarine |
| Kalte Küche (Salatsaucen) | 10 - 15 g / Tag | Olivenöl, Rapsöl, Distelöl oder Sonnenblumenöl |
| Warme Küche | 10 - 15 g / Tag | Olivenöl, Erdnussöl |
5g Fett = 1 Kaffelöffel Öl
F: Wieviele Proteine (Eiweisse) sind für einen Diabetiker gesund?
A: Man unterscheidet zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinen, d.h. Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und Käse (tierische Proteine) und Hülsenfrüchte (pflanzliche Proteine).
Empfohlen sind:
| Fleisch | Max. 1x täglich ca. 100 g | Ideal 3 - 4x / Woche |
| Eier | 2-3 Stk. / Woche | |
| Fisch | Mind. 1x / Woche | |
| Wurstwaren | Max. 1x / Woche | |
| Milchprodukte | 2-3 Portionen täglich (entspricht 2dl Milch oder 1 Joghurt oder 40g Käse oder 200 g Quark/Hüttenkäse) | 7x / Woche |
| Hülsenfrüchte | Mind. 1x / Woche |
F: Wieviele Kohlenhydrate dürfen eingenommen werden?
A: Vorab zur Erinnerung: Kohlenhydrate sind in Brot, Reis, Teigwaren, Kartoffeln, Früchten und Gemüsen enthalten.
| Brot/Reis/Teigwaren/Kartoffeln/Getreideflocken | 3x täglich* | 7x / Woche |
| Früchte (frisch) | 3x täglich | 7x / Woche |
| Gemüse (inkl. Salat) | 2x täglich, 150-200g | 7x / Woche |
* = Menge ist abhängig vom Energiebedarf jeder einzelnen Person
F: Ist Alkohol für eine Diabetikerin, einen Diabetiker tabu?
A: Nein, Alkohol soll jedoch nur in kleinen Mengen eingenommen werden, d.h.
Frauen: 10 g / Tag (entspricht 1 dl Wein)
Männer: 20 g / Tag (entspricht 2 dl Wein)
Allgemeine Bemerkung: Falls Medikamente eingenommen werden, zuerst mit dem Hausarzt oder Diabetologen Rücksprache nehmen Getränke allgemein:
1 1/2-2 Liter / Tag ungesüsste Getränke
Fruchtsäfte in der Diät anrechnen (1 dl / Tag)
F: Was ist der glykämische Index?
A: Der glykämische Index gibt den Blutzuckeranstieg z.B. 3 Std. nach dem Verzehr einer definierten Menge (50g Kohlenhydrate) eines kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittels im Vergleich mit dem Blutzuckeranstieg des Weissbrotes (mit der gleichen Kohlenhydratmenge) an. Das heisst: Ein hoher glykämischer Index bedeutet einen raschen Blutzuckeranstieg. Ein niedriger glykämischer Index bedeutet einen langsamen Blutzuckeranstieg.
Generell gilt es, Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index zu bevorzugen, da sie den Blutzucker nach einer Mahlzeit langsam erhöhen und länger satt halten.
Glykämischer Index (Referenzwert: Weissbrot 100%)
| Über 120% | Malzzucker, Traubenzucker, Baguette |
| 100-120% | Cornflakes, Honig, Pommes frites, Weissbrot |
| 80-99% | Müesli gezuckert, Roggenbrot, Maisgriess, Kartoffeln,Zucker, Biscuit, weisser Reis |
| 60-79% | Haferkleiebrot, Schokolade, Bananen, Kiwi, Trauben, Orangen |
| Unter 60% | Fruchtzucker, Apfel, Birne, Grapefruit, Spaghetti, Roggen, Milch, Joghurt, Hülsenfrüchte, Erdnüsse |
F: Welchen Einfluss hat das soziale Umfeld eines Diabetikers im Zusammenhang mit den Ernährungsgewohnheiten?
A: Ein solides soziales Umfeld und damit tatkräftige Unterstützung durch Familienangehörige oder Partner ist ganz besonders in den Anfängen der Krankheit von grosser Bedeutung. Es ist aber auch sehr wichtig, dass der Betroffene seine Eigenverantwortung wahrnimmt, so dass er selbständig zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen treffen kann.
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Update: 06.10.2008